Sauber ist wichtig - Hygiene im Schwimmteich

Von Dr. Peter Kulle

 

Hygiene ist wichtig. Auch im Schwimmteich hat sie einen großen Stellenwert. Kritikern von Schwimmteichen befürchten, dass es gerade in öffentlichen Schwimm- und Badeteichen manchmal nicht so genau mit der Hygiene genommen wird. Immer wieder führen sie das Argument nicht einzuhaltender Grenzwerte in Schwimm- und Badeteichen an.

Was bedeutet der Begriff Hygiene?

Wenn wir uns die Frage nach der Bedeutung des Begriffs Hygiene stellen, stoßen wir direkt auf das Problem einer „sauberen“ Begriffsdefinition. Und auf historische Hintergründe, die für das Verständnis von „Hygiene“ in der westlichen Kultur wichtig sind. „Die Hygiene ist der Teil der medizinischen Wissenschaft, der sich mit der gewohnheitsmäßigen Umgebung des Menschen befasst und diejenigen Momente in derselben zu entdecken und zu beseitigen sucht, welche Störungen im Organismus zu veranlassen und seiner Entwicklung zu höchster Leistungsfähigkeit entgegenzuwirken imstande sind.“ erklärte Flügge, von 1881 – 1921 Professor in Göttingen den Begriff der Hygiene. Der anerkannte Kölner Hygieniker Reiner Müller entwickelt 1942 den Begriff in seinem Lehrbuch weiter: „Die Hygiene versucht Krankheiten zu verhüten sowie das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit aller zu erhalten bzw. zu steigern“.


Schon Römer und Griechen beschäftigten sich mit dem Thema Hygiene

Hygieia ist uns aus antiker Zeit als die griechische Göttin der Gesundheit bekannt. Das erste lehrbuchartige Schriftstück zu (umwelt)hygienischen Problemen stammt vom Griechen Hippokrates, der schon vor 2500 Jahren über „Peri Aeron, Hydaton, Topon“ („Über Luft, Wasser, Boden“) referierte. Damit war die Hygiene als Begriff und naturwissenschaftliches Lehrfach nur teilweise erfasst. Die Luft, der Atem wurden als Essenz des Lebens betrachtet. In ihnen war das Lebensprinzip verwirklicht. Die Luft sah man als Medium der guten und bösen Geister an, mit denen der Mensch bewusst oder unbewusst in Verbindung steht. Auch in heutiger Zeit lebt diese Sichtweise in „alten“, ursprünglichen Kulturen und Religionen fort. Gesundheitliche Grundregeln in Form kultischer Vorschriften finden sich im Talmud, im Koran und in der Bibel. Hippokrates und der Römer Galen sahen in übelriechenden Aus-dünstungen von Leichen, Kadavern, Sümpfen oder Fäulnis, Miasma genannt, die Ursache von Krankheiten. Man nahm an, dass parasitische Lebewesen aus Blut und Eiter entstehen.

 

Überzogenen Anforderungen an die Badewasserqualität?

Unsere heutigen Reinlichkeitsregeln wurden zwar als wichtige Hilfsmaßnahmen zur Seuchenverhütung erkannt, weil das Auftreten von Seuchen oft mit Schmutz und Unrat einhergingen. Aber beide Faktoren sind ursächlich nicht miteinander verknüpft, so dass Reinlichkeit nur wenig mit rational begründeter Hygiene zu tun hat, sondern vielmehr einer sozialen Motivation und subjektiven Ästhetik entspringt. Hier endet die Hygiene als sachorientierte Wissenschaft. So besteht die Gefahr, dass mit dem sog. „Besorgnisgrundsatz“, der sich formalrechtlich auf das Bundesinfektionsschutzgesetz stützt und heute oftmals zu Maximal- oder überzogenen Forderungen nach hygienischer Wasserqualität führt, der Boden einer wissenschaftlichen, rational begründeten Hygiene verlassen wird. Der bloße Nachweis oder die Anwesenheit von (Krankheits-)Erregern ist kein Garant oder hinreichender Hinweis auf ein tatsächlich bestehendes hygienisches Risiko. Nach Rodenwaldt sollte zum Ethos eines Hygienikers gehören, „dass er sich nicht einer Verantwortung entzieht, sondern dass er sie trägt, mitträgt, auch eine solche, die ein Wagnis in sich schließt“. Auch hier – wie oft bei Entscheidungen - sind richtiges Augenmaß und Rückgrat gefordert.

 
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