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Fachtagung: Freibäder mit biologischer Wasseraufbereitung und private Schwimmteiche von FLL und DGfnB in München mit anschließender Mitgliederversammlung der DGfnB

Neue Erkenntnisse rund um den Schwimmteich

Private Schwimmteiche und öffentliche Freibäder mit biologischer Wasseraufbereitung - das waren die beiden Schwerpunkte, der gemeinsamen Fachtagung der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL) und der Deutschen Gesellschaft für naturnahe Badegewässer (DGfnB) am 20.und 21. März  in München.

Die wichtigste Komponente für den wirtschaftlich und funktionalen Betrieb eines Freibades mit biologischer Wasseraufbereitung ist die Wasserqualität. (Phosphatarmes Wasser) Diese lässt sich mit drei unterschiedlichen Verfahren sicherstellen: hydrobotanischen Anlagen, technischen Feuchtgebieten und entsprechenden Substratfiltern. Für jede dieser drei Bauarten gibt es genaue Spezifikationen, die in der „Richtlinie für Freibäder mit biologischer Wasseraufbereitung“ der FLL beschrieben werden. Claus Schmitt von der Wasserwerkstatt in Bamberg fasste die Anforderungen an hydrobotanische Anlagen zusammen, Dr. Klaus Winter von EKO-Plant in Neu-Eichenberg erklärte, welche Arten Technischer Feuchtgebiete es gibt und berichtete von den Erfahrungen mit der FLL-Richtlinie 2011 der Öffentlichen Badeteiche, Stefan Bruns von der Polyplan GmbH in Bremen informierte über Substratfilter und das Berechnungsprogramm. Damit lassen sich je nach erwarteter Nennbesucherzahl geeignete Aufbereitungsverfahren oder Kombinationen aus mehreren Systemen ermitteln.

Michael Weilandt von der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB) referierte über Verkehrssicherungspflicht, die Betriebsaufsicht und die Beaufsichtigung des Badebetriebs, die sich bei Freibädern mit biologischer Wasseraufbereitung nicht von denen herkömmlicher Freibäder unterscheiden. Bei beiden sind die gleichen rechtlichen Vorgaben und Regelwerke zu beachten, beispielsweise die DIN EN 15288 „Schwimmbäder“ und die Richtlinie 94.05 „Verkehrssicherungs- und Aufsichtspflicht in öffentlichen Bädern während des Badebetriebes“ der DGfdB.

Eines der größten Ärgernisse für den Kunden in Schwimmteichen und Naturpools sind Algen. Dr. Jürgen Spieker vom KLS Gewässerschutz in Hamburg Altona klärte über die Zusammenhänge von Nährstoffen, Algen und Biofilm auf. So bilden sich Algen und Biofilme überall dort, wo feuchte Oberflächen vorhanden sind. Während in heterotrophen Biofilmen Bakterien dominieren, sind es in autothrophen Biofilmen die Algen. Das Problem: Biofilme erfüllen vielfältige Aufgaben und sind notwendig, damit Schwimm- und Badeteiche mit biologischer Wasserreinigung überhaupt funktionieren. Außerdem helfen sie in Filtern, Phosphorverbindungen zurückzuhalten. Überhand nehmen dürfen sie aber nicht. Die mechanische Entfernung ist eine wirksame Möglichkeit, Biofilme zu kontrollieren. Ebenso sollte darauf geachtet werden, den Eintrag von Nährstoffen ins Wasser zu minimieren.

Wasserpflanzen sind unverzichtbar bei der Wasserreinigung. Sie nehmen Nährstoffe aus dem Wasser und dem Filtersubstrat auf. Idealer Weise besteht die Bepflanzung aus submersen Makrophyten (untergetauchten Wasserpflanzen) und emersen Makrophyten (aus dem Wasser ragenden Pflanzen). Dr. Klaus van de Weyer von der Lanaplan GbdR in Nettetal informierte die Tagungsteilnehmer über verschiedene Gruppen von Makrophyten und die Umweltbedingungen, die verschiedene Pflanzen gut oder schlecht wachsen lassen. Für Schwimmteiche eignen sich Arten mit breiter ökologischer Amplitude, also einem großen Toleranzbereich in Bezug auf Faktoren wie Kalkgehalt, pH-Wert oder Fließgeschwindigkeit. Von der Bepflanzung mit Neophyten, also Pflanzen, die nach Ende des 15. Jahrhunderts nach Europa eingewandert sind, rät van der Weyer ab, da die Folgen für Seen und Flüsse nicht abzuschätzen sind.

Wie ein Schwimmteich richtig gebaut wird, lernt man am schnellsten durch Schadensfälle. Diese Erfahrung hat zumindest Guido Manzke von der DGfnB gemacht. Und davon gibt es vor allem im Privatgarten immer noch genug. Versprechen wie „Glasklares Wasser ohne Aufwand“, die dann noch von Betrieben ohne entsprechende Spezialkenntnisse gebaut werden führen dazu, dass dem Sachverständigen die Arbeit nicht ausgeht. Typische Planungsfehler sind fehlende Grundlagen. Das Füllwasser enthält zu viel Phosphor, Nährstoffe werden aus umliegendem, höher gelegenem Erdreich eingetragen oder die Abdichtung schwimmt auf. Weitere Planungsfehler können im Aufbereitungs- und Nutzungsbereich passieren. Das reicht von der Größe dieser Bereiche über die Auswahl des Substrates bis hin zu falsch dimensionierter Technik. Beliebte Ausführungsfehler passieren beim Bau des Uferrands und des Bachlaufs, bei der Ausbildung der Kapillarsperre und beim Einbau der Hydraulischen Berechnung der Rohrdimensionen und der Pumpentechnik. Aus dem Traum vom Schwimmteich wird so schnell der Alptraum Schwimmteichsanierung.

Wie Guido Manzke plädierte auch Wendelin Jehle, Präsident der DGfnB dafür, den Kunden nichts zu versprechen, was man als Schwimmteichbauer nicht halten kann. Vor allem bei der Verwendung chemischer Mittel würde Wasser gepredigt und Wein getrunken. Algenfreie Teiche ohne Einsatz von Chemie lautet das Versprechen, tatsächlich kommen oftmals doch Algenvernichter zum Einsatz, wenn der Kunde sich über grünes Wasser beschwert. Jehle rät, ehrlich zu verkaufen. Dazu gehört auch, den Kunden über die limnologischen Prozesse in Gewässern aufzuklären und ihn bei Unterhalt und Pflege des Teiches nicht alleine zu lassen.

Um die Verkehrssicherung bei privaten Schwimmteichen ging es am zweiten Veranstaltungstag bei Andreas Spiecker, Gutachter und Sachverständiger. Auch wenn sich die Teiche auf privaten Grundstücken befinden: Wer eine potenzielle Gefahrenquelle schafft hat dafür zu sorgen, dass Dritte dadurch nicht gefährdet werden. Die genauen rechtlichen Vorschriften können sich dabei von Bundesland zu Bundesland unterscheiden. Die FLL empfiehlt übrigens eine Einzäunung des Grundstücks - und für alle Fälle den Abschluss einer privaten Haftpflichtversicherung.

Dr. Martin Upmeier von der Zeobon GmbH in Dattenberg berichtete von den Ergebnissen seiner Forschungsarbeit im Auftrag des DGfnB und der FLL. Ermittelt werden sollte eine Methode, mit der sich der Phosphorgehalt in Schwimmteichsubstraten bestimmen lässt - unter besonderer Berücksichtigung der biologischen Verfügbarkeit. Zum Abschluss referierte Dr. Norbert Gäng von der Balena GmbH in Gemmingen über die aktuellen FLL-Empfehlungen bei der Kategorisierung von Schwimmteichen, die 2014 überarbeitet werden sollen und nahm Wünsche und Anregungen der anwesenden Praktiker entgegen. Parallel zu den Vorträgen wurde ein Workshop für die Betreiber von öffentlichen biologischen Freibädern angeboten, denen Gutachter und Sachverständige Rede und Antwort standen. Diese Veranstaltung stieß ebenfalls auf sehr große Resonanz.

Im Anschluss an die Fachtagung fand die Mitgliederversammlung der DGfnB statt. Mit Thomas Kippels-Ohlhoff wurde der Vorstand um einen Beisitzer erweitert. Er wurde als Vorsitzender im Arbeitskreis Hersteller und Zulieferer gewählt und soll künftig die Beziehungen zur Industrie stärken. Die DGfnB erhofft sich davon, eine bessere Zusammenarbeit mit der Industrie gerade auch im Thema Forschung, damit die Umsetzung und Funktion der natürliche Wasseraufbereitung in Naturbäder und Badegewässern in der Öffentlichkeit noch mehr Anklang finden werden.

DGfnB-Präsident Wendelin Jehle wies besonders auf die neue Homepage und das Intranet hin. Hier soll einerseits die Öffentlichkeit umfassend über Schwimm- und Badeteiche informiert werden, andererseits können sich die Mitglieder im Intranet-Forum austauschen. Um den stetig wachsenden Anforderungen gerecht zu werden beschloss die Mitgliederversammlung mit 52 Stimmen, (ohne Gegenstimme) den Jahresbeitrag auf 360,-€ zu erhöhen. Herr Rohrbach FLL Geschäftsführer und Wendelin Jehle Präsident DGfnB bedankten sich bei den Referenten und bei den Anwesenden für Ihre zahlreiche Teilnahme an dieser wissensvermittelnden Veranstaltung. 

Die nächste DGfnB-Mitgliederversammlung findet im März 2015 in Köln statt.


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