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DGfnB e.V. baut Analysesystem und Deutsche Materialdatenbank (DeMaDa) auf

Die Sache mit dem Phosphor und den Algen in Schwimmteichen und Naturpools

Algen sind unästhetisch und machen Arbeit. Das Idyll wird zur Last.

Besonders in den Sommermonaten finden wir in unseren Schwimmteichen und Naturpools ein häufig wiederkehrendes - aber bei den Schwimmteichbetreibern meist unbeliebtes - „Phänomen“: Es kommt zur (teilweise) explosionsartigen Vermehrung von Algen der sogenannten Algenblüte. Wenn dann noch lange, schleimige Fadenalgen sich kreuz und quer durch das Teichbecken ziehen, wird es nicht nur unästhetisch, sondern auch das biologische Gleichgewicht in unseren vollbio-logischen Schwimmteichen, Naturpools und Freibädern könnte bedroht sein. Algen produzieren als photosynthetisch aktive Pflanzenorganismen im ersten Schritt einen Überschuss an Sauerstoff, wenn sie jedoch absterben, trägt dies zur Verschlechterung der Wasserqualität bei. Zersetzungsprozesse zehren schließlich Sauerstoff und beeinflussen so die mikrobielle Aktivität solcher Systeme.


Die einschlägige Fachliteratur ist voller gut gemeinter Ratschläge und im Fachhandel wird eine große Anzahl an (mitunter) leistungsfähigen Produkten zur Reduzierung bzw. Bekämpfung von Algenentwicklungen vorgehalten. Obwohl Algenblüten in Schwimmteichen einen unschönen und meist ungewollten Verlauf nehmen, so bleibt doch festzuhalten, dass Algen ein normaler Bestandteil der Biozönose der „Produzenten“ darstellen und sich erst bei Massenentwicklungen, die die Nutzungsmöglichkeiten (Verkehrssicherheit) und das Wachstum gewünschter Pflanzen beeinflussen, ein fast zwingender Handlungsbedarf entsteht (vgl. FLL – Empfehlung für Planung, Bau und Instandhaltung von privaten Schwimm- und Badeteichen; Ausgabe 2006, Seite 15).


Phosphor respektive Phosphat als Hauptnährstoff der Alge zu bezeichnen, wäre fachlich mit Sicherheit nicht ganz korrekt. Zumindest können wir aber zugrundelegen, dass Phosphor eine wichtige Einflussgröße des Algenwachstums darstellt und dessen Minimierung nachweislich zu einer deutlichen quantitativen Reduktion der Algenpopulationen beiträgt. Hier hat uns der US- amerikanische Ozeanograph A.C. Redfield weitergeholfen, der zur Berechnung der potentiellen Algenbiomasse das gleichnamige Redfield-Verhältnis aufgestellt hat. Es beschreibt die atomare Zusammensetzung von maritimem Phytoplankton, welches von Redfield, Ketchum und Richards 1963 empirisch ermittelt und veröffentlicht wurde. Dieses Verhältnis kann auch für Süßwasseralgen zugrunde gelegt werden: Unter Einbeziehung von ca. 90% Wassergehalt (Anteil Wasser am Gesamtgewicht von Algen) erhält man pro Gramm Phosphor theoretisch rund 1 kg Algenmasse.

Da also der Faktor „Phosphor“ für das proportionale Algenwachstum erkannt wurde, was wäre da naheliegender als genau auf diesen Parameter Einfluss zu nehmen, die Ursache also beim „Schopfe“ zu packen?

Die Möglichkeiten sind hier vielfältig und reichen von der richtig gewählten Füllwasserquelle, der Vermeidung bzw. Reduktion von anthropogenen und natürlichen Einflüssen, bis hin zu phosphorarmen Schwimmteichbaustoffen und Substraten.


Nachdem einige europäische Schwimmteichverbände hier in der Vergangenheit schon eine wichtige Vorreiterrolle eingenommen haben, wird sich auch die Deutsche Gesellschaft für naturnahe Badegewässer (DGfnB e.V.) dem Thema „Phosphoranalyse von Schwimmteichbaustoffen“ und der Entwicklung einer entsprechenden Materialdatenbank (DeMaDa) annehmen.
Nach langen Recherchen und Vorgesprächen hat die DGfnB e.V. mit der MFPA (Materialforschungs- und Prüfanstalt an der Bauhaus Universität Weimar) einen ersten wichtigen und unabhängigen Prüfpartner gewonnen. Die MFPA als akkreditierte Prüf-, Überwachungs- und Zertifizierungsstelle wird hierzu in Zukunft Schwimmteichbaustoffe nach einem festgelegten Verfahren auf Phosphor überprüfen. Als Schwimmteichbaustoffe im Sinne des Untersuchungsgegenstandes gelten hier alle Baustoffe und/oder eingebrachten Bauelemente (inkl. Substrate), die vom Schwimmteichwasser umspült werden oder damit in Verbindung kommen. Die Prüfung und Zertifizierung des Phosphorgehalts von Schwimmteichbaustoffen kann als freiwillige Produktprüfung (z.B. auch von Schwimmteichbauern), bauvorhabenbezogener Produktprüfung oder als Zertifizierung von Produkten verschiedener Hersteller, vollzogen werden. Das Zertifikat (Urkunde) hat eine Gültigkeit von einem Jahr, sofern innerhalb dieses Jahres nach erfolgter Erstprüfung, eine weitere Folgeüberprüfung beauftragt wird.


Zusätzlich baut die DGfnB parallel eine Materialdatenbank (DeMaDa) auf, um mögliche Ergebnisse auch statistisch verwerten zu können. Wichtig: Eine Negativerhebung mit genauen Angaben zur Probenherkunft erfolgt nur, wenn der Einsender der Probe dem zustimmt. Hier wird nur zu statistischen Zwecken in Materialgruppen erhoben (z.B. Folie, Flies, bei Substraten nach geologischer Klassifizierung,  z.B. Kalkstein, Sandstein, Granit, Basalt, Quarzit, usw.). Ein Material könnte demzufolge bei wenig oder keinem Phosphorgehalt als geeignet erklärt werden, da aber keine weiteren Parameter gemessen werden, ist eine grundsätzliche Aussage im Zusammenhang anderer systemspezifischer Faktoren nicht möglich.


Weitere Informationen (z.B. Auftragsformulare) erhalten Sie nachfolgend auf dieser Seite.



Die Kosten für die Bestimmung des Phosphorgehalts und Erstellung eines Zertifikats betragen pro Materialanalyse bzw. Probe:

•    130,00 EUR netto für Mitglieder der DGfnB*
•    160,00 EUR netto für Nichtmitglieder der DGfnB*

*ca. 12 Tage Bearbeitungszeit. Bei gewünschter Bearbeitungszeit von ca. 6 Tagen wird  
 ein zusätzlicher Eilzuschlag von 40 € netto/pro Probe erhoben. Die Rechnungsstellung  
 erfolgt direkt durch den Prüf- und Zertifizierungspartner: Materialforschungs- und -prüfanstalt  
 (MFPA) an der Bauhaus-Universität Weimar.


Formulare: