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Wie groß ist die Gefahr von Zerkarien in Schwimmteichen?

Zerkarien sind die Erreger der weltweit verbreiteten Hauterkrankung Badedermatitis, sie wird daher auch Zerkariendermatitis genannt. Die Ursache sind Larven (Zerkarien) von Saugwürmern (Trematoden), die besonders in den Sommermonaten irrtümlich den Menschen befallen. So werden in Schleswig Holstein alljährlich Warnungen vor dem sommerlichen Baden in natürlichen Seen nach ausgesprochen, deren Ursache in einem Massenauftreten von Zerkarien begründet ist. Nicht alle Saugwürmer verursachen eine Badedermatitis: die Familie der Schistosomatidae-Saugwürmer, und hier in Mitteleuropa im Besonderen Trichobilharzia szidati sind dafür ursächlich. Zu erkennen sind diese 0,8-1 mm langen Saugwürmer an ihrem gegabelten Schwanz, dem sie den deutschen Namen `Gabelschwanzzerkarie` verdanken. Zur vollständigen Entwicklung benötigen sie einen Zwischen- sowie einen Endwirt. Folgender Entwicklungskreislauf lässt sich bei Zerkarien nachzeichnen: Enten (Endwirt) infizieren sich im Wasser mit den Larven der Saugwürmer. Diese gelangen durch die Venen in den Darm der Enten, wo sie sich zu adulten Tieren entwickeln und ihre Eier ablegen. Diese bohren sich durch die Darmwand der Ente und werden mit dem Kot ausgeschieden. Das sich daraus entwickelnde erste Larvenstadium (Mirazidum) sucht aktiv nach dem Zwischenwirt, in diesem Fall Süßwasserschnecken wie Lymnaea stagnalis oder Radix-Arten und dringt in sie ein. Nach der Entwicklung in der Schnecke zum zweiten Larvenstadium schwärmen die  Larven ins Wasser aus, wo sie nach dem Endwirt, der Ente suchen. Der Kreislauf ist geschlossen.

Da Zerkarien orientieren sich thermo- und chemotaktisch. Sie betrachten einen Menschen als Wirt und dringen in die oberen Hautschichten ein, wo sie dann schnell absterben und dabei juckende Hautpusteln verursachen. Die Badedermatitis tritt in der Regel noch nicht beim Erstbefall mit Zerkarien auf, es erfolgt eine Sensibilisierung. Nach 10-25 h setzen die eigentlichen Dermatitisanzeichen wie heftiger Juckreiz und rote, entzündete Quaddeln ein, die in der Regel folgenlos abheilen.

Hauptschwärmzeiten der Saugwürmer sind der Früh- und Spätsommer und lange Schönwetterperioden. Zerkarien sind bei Wassertemperaturen von 20-230C. nur 48-60 h überlebensfähig, bei höheren Temperaturen nimmt die Mortalitätsrate deutlich zu. Also durchaus ein positive Argument pro höhere Wassertemperaturen im Schwimmteich.

Ein Nachweis von Zerkarien kann über die Untersuchung der Wirtstiere erfolgen. Zur Vorbeugung der Badedermatitis in natürlichen Badegewässern gilt: das Meiden von flachen, schlammigen Uferbereichen, schnell tiefes Wasser aufsuchen, nasse Badebekleidung schnell zu wechseln und den Körper nach dem Baden kräftig abzurubbeln.

Zerkarienmassenvermehrungen finden in erster Linie in eutrophen, sauerstoffarmen und  warmen Gewässern statt, die eine hohe Anzahl von Schnecken und Enten aufweisen. In gut durchströmten, sauerstoffreichen Schwimmteichen und Naturpools, bei denen auf "Entenfreiheit" geachtet wird, ist mit einem massenhaften Auftreten von Zerkarien kaum zu rechnen.